Der Käpt’n bin ich!

«Ich bin verwirrt», schreiben mir Freunde. «Ich bin dünnhäutig. Es ist alles so surreal. Abends ist es am schlimmsten, das Alleinsein. Mich verlässt langsam der Mut.» Ich lese das und drehe an meinem Ring. Mir fällt auf, dass ich das oft tue in letzter Zeit. Ich trage diesen Ring, ein schlichtes Silberband mit einem kleinen eingefassten Opal, seit Jahren Tag und Nacht. Der Stein ist mittlerweile vom vielen Tragen stumpf geworden. Wenn das Licht im richtigen Winkel drauffällt, kann man sie trotzdem noch erkennen, eine winzige halbmondförmige Bucht, umspült von einem kleinen Ozean. Mein Meer in einer Nussschale. Der Ring erinnert mich an wunderbare Tage in meinem Leben – und an eine der besten Nächte. Die Erinnerung trägt bis ins Heute hinein: Manchmal gelingt es mir, zurückzudenken und mich erneut daran aufzuladen. Im Winter vor einigen Jahren, im Sommer, da, wo ich bin: Ich wandere einem langgezogenen Strand entlang, in einer einsamen Bucht mit dem klingenden Namen «Wineglass Bay», auf einer kleinen Insel am anderen Ende der Welt …

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